Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten
Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten
Also ist dem Menschen ein dauerhaftes Glück nicht vorgesehen: Unsere Möglichkeiten zum Glück sind durch unsere Konstitution begrenzt, und es ist weit leichter, unglücklich zu sein. Am realistischsten ist es, das Leiden zu vermeiden.
Wir genießen nur durch Kontrast intensiv, also nur in Augenblicken, während uns das Unglück unablässig von drei Seiten bedroht.
„Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten“ ist ein Argument von Sigmund Freud (Das Unbehagen in der Kultur, II (1930)) zur Frage „Was ist Glück?“ (Antwort: kein dauerhaftes glück). Seine These: Also ist dem Menschen ein dauerhaftes Glück nicht vorgesehen: Unsere Möglichkeiten zum Glück sind durch unsere Konstitution begrenzt, und es ist weit leichter, unglücklich zu sein. Am realistischsten ist es, das Leiden zu vermeiden. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P5). AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 3 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Freud, Arzt und Begründer der Psychoanalyse, fragt in Das Unbehagen in der Kultur (1930), was die Menschen vom Leben erwarten. Die Antwort ist einfach: glücklich zu werden und es zu bleiben. Doch dieses Programm, das Freud das Lustprinzip nennt, steht im Widerstreit mit der ganzen Welt. Sein Argument unterscheidet sich von dem Schopenhauers (dem Pendel zwischen Mangel und Langeweile): Es handelt nicht von einem Begehren, das immer wiederkehrt, sondern von zwei Grenzen. Zuerst unsere Konstitution: Wir empfinden nur den Kontrast stark, niemals einen Zustand, der andauert. Dann die Welt: Das Unglück bedroht uns zugleich von drei Seiten, vom Körper, von der Natur und von den anderen Menschen. Freud schließt nicht, dass man verzweifeln müsse, sondern dass die Menschen ihre Ansprüche herabsetzen und zuerst versuchen, das Leiden zu vermeiden. Später in Kapitel II geht er die Methoden durch, die die Menschen dafür erfunden haben (Drogen, Beherrschung der Triebe, Sublimierung): Keine ist sicher.
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Ohne die implizite Prämisse: Ohne P5 findet der Computer eine Welt, in der das Programm unverwirklichbar ist, der Genuss nur episodisch auftritt und das Leiden droht, und in der dennoch ein dauerhaftes Glück existiert, zum Beispiel eine Ruhe, die von keinem starken Genuss abhängt. Dies ist der Punkt, an dem die Epikureer ansetzen.
Einwände
3Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.
EEpikur (die Lust der Ruhe) 300 v. Chr. · greift Prämisse 3 anEs gibt zwei Arten von Lust: die der Bewegung, wie die Freude, die nur Episoden sind, und die der Ruhe, nämlich die Abwesenheit von Schmerz und Beunruhigung. Letztere kann andauern. Glück ist also nicht nur eine Episode starken Genusses, und ein Weiser kann lange in Gelassenheit leben.
Freud erwidert
Es gibt zwei Arten von Lust: die der Bewegung, wie die Freude, die nur Episoden sind, und die der Ruhe, nämlich die Abwesenheit von Schmerz und Beunruhigung. Letztere kann andauern. Glück ist also nicht nur eine Episode starken Genusses, und ein Weiser kann lange in Gelassenheit leben.
EEpiktet (die Beunruhigung kommt von Meinungen) 125 · greift Prämisse 4 anNicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge. Der Körper, die Welt und die anderen lassen uns nur durch das leiden, was wir von ihnen denken: Indem wir unser Urteil ändern, können wir von diesem Unglück frei werden.
Freud erwidert
Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge. Der Körper, die Welt und die anderen lassen uns nur durch das leiden, was wir von ihnen denken: Indem wir unser Urteil ändern, können wir von diesem Unglück frei werden.
Aristoteles (Glück ist eine Tätigkeit) 330 v. Chr. · greift die Schlussfolgerung anGlück ist nicht ein Augenblick starker Lust, sondern die der Tugend gemäße Tätigkeit der Seele, vollzogen in einem vollständigen Leben. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Man beurteilt das Glück nicht nach einer Episode. So verstanden, liegt es in der Reichweite des Menschen.
Freud erwidert
Glück ist nicht ein Augenblick starker Lust, sondern die der Tugend gemäße Tätigkeit der Seele, vollzogen in einem vollständigen Leben. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Man beurteilt das Glück nicht nach einer Episode. So verstanden, liegt es in der Reichweite des Menschen.