FragenWas ist Glück?Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten
Was ist Glück?Kein dauerhaftes Glück

Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten

Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten

Sigmund Freud 1856 · 1939Die Religion ist eine Illusion, die aus dem Wunsch entsteht, beschützt zu werden, wie das Kind vom Vater.
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Was es behauptet

Also ist dem Menschen ein dauerhaftes Glück nicht vorgesehen: Unsere Möglichkeiten zum Glück sind durch unsere Konstitution begrenzt, und es ist weit leichter, unglücklich zu sein. Am realistischsten ist es, das Leiden zu vermeiden.

Warum

Wir genießen nur durch Kontrast intensiv, also nur in Augenblicken, während uns das Unglück unablässig von drei Seiten bedroht.

Kurz gesagt

„Das Glück ist nicht im Plan der Schöpfung enthalten“ ist ein Argument von Sigmund Freud (Das Unbehagen in der Kultur, II (1930)) zur Frage „Was ist Glück?“ (Antwort: kein dauerhaftes glück). Seine These: Also ist dem Menschen ein dauerhaftes Glück nicht vorgesehen: Unsere Möglichkeiten zum Glück sind durch unsere Konstitution begrenzt, und es ist weit leichter, unglücklich zu sein. Am realistischsten ist es, das Leiden zu vermeiden. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P5). AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 3 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.

Das Unbehagen in der Kultur, II (1930)
Gültig mit impliziter Prämisse

Freud, Arzt und Begründer der Psychoanalyse, fragt in Das Unbehagen in der Kultur (1930), was die Menschen vom Leben erwarten. Die Antwort ist einfach: glücklich zu werden und es zu bleiben. Doch dieses Programm, das Freud das Lustprinzip nennt, steht im Widerstreit mit der ganzen Welt. Sein Argument unterscheidet sich von dem Schopenhauers (dem Pendel zwischen Mangel und Langeweile): Es handelt nicht von einem Begehren, das immer wiederkehrt, sondern von zwei Grenzen. Zuerst unsere Konstitution: Wir empfinden nur den Kontrast stark, niemals einen Zustand, der andauert. Dann die Welt: Das Unglück bedroht uns zugleich von drei Seiten, vom Körper, von der Natur und von den anderen Menschen. Freud schließt nicht, dass man verzweifeln müsse, sondern dass die Menschen ihre Ansprüche herabsetzen und zuerst versuchen, das Leiden zu vermeiden. Später in Kapitel II geht er die Methoden durch, die die Menschen dafür erfunden haben (Drogen, Beherrschung der Triebe, Sublimierung): Keine ist sicher.

P1Die Menschen wollen glücklich werden und es bleiben: den Schmerz vermeiden und starke Lust erleben. Das ist das Programm des Lustprinzips.
P2Dieses Programm lässt sich nicht verwirklichen: Alles im Universum widerstrebt ihm. Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der „Schöpfung“ nicht enthalten.
P3Glück im strengen Sinn entspringt der plötzlichen Befriedigung eines hochgradig aufgestauten Bedürfnisses: Es existiert nur in Episoden. Eine Situation, die andauert, verschafft nur ein laues Behagen, denn wir genießen nur den Kontrast intensiv.
P4Das Unglück hingegen ist leicht zu erfahren: Das Leiden bedroht uns von drei Seiten, von unserem zum Verfall bestimmten Körper, von der Außenwelt und von unseren Beziehungen zu anderen Menschen.
P5 · implizite PrämisseEin dauerhaftes Glück würde voraussetzen, dass das Lustprogramm verwirklichbar ist, dass der Genuss andauern kann und dass das Leiden uns nicht unablässig bedroht.
Also ist dem Menschen ein dauerhaftes Glück nicht vorgesehen: Unsere Möglichkeiten zum Glück sind durch unsere Konstitution begrenzt, und es ist weit leichter, unglücklich zu sein. Am realistischsten ist es, das Leiden zu vermeiden.

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Wenn du alle Prämissen akzeptierst, zwingt dich die Logik dazu, auch die Konklusion zu akzeptieren. Die Debatte dreht sich also um die Prämissen.
Von einem Logik-Solver geprüft: Es ist unmöglich, dass alle Prämissen wahr und die Konklusion falsch sind.
Ohne die implizite Prämisse: Ohne P5 findet der Computer eine Welt, in der das Programm unverwirklichbar ist, der Genuss nur episodisch auftritt und das Leiden droht, und in der dennoch ein dauerhaftes Glück existiert, zum Beispiel eine Ruhe, die von keinem starken Genuss abhängt. Dies ist der Punkt, an dem die Epikureer ansetzen.
Gültig mit P5, das Freud nicht in einem Satz formuliert, das sein Gedankengang aber voraussetzt: Ein dauerhaftes Glück würde ein verwirklichbares Programm, einen andauernden Genuss und das Fehlen einer ständigen Bedrohung erfordern. Ohne P5 schließt nichts ein dauerhaftes Glück aus, das diesen drei Hindernissen entginge.
Analogie. Du bist nach einem Spiel sehr durstig: Der erste Schluck Wasser ist intensives Glück. Zehn Minuten später bewirkt dein Glas Wasser fast nichts mehr bei dir. Das Wasser hat sich nicht verändert, der Kontrast ist verschwunden. Währenddessen können ein Knie, das Wetter oder ein Streit den Tag ohne Vorwarnung verderben. Freud sagt: Das ist unsere Lage.

Einwände

3

Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.

E
Epikur (die Lust der Ruhe) 300 v. Chr. · greift Prämisse 3 an

Es gibt zwei Arten von Lust: die der Bewegung, wie die Freude, die nur Episoden sind, und die der Ruhe, nämlich die Abwesenheit von Schmerz und Beunruhigung. Letztere kann andauern. Glück ist also nicht nur eine Episode starken Genusses, und ein Weiser kann lange in Gelassenheit leben.

Freud erwidert
Freud (im selben Kapitel) Was Freud zugesteht
Freud beschreibt diesen Rückzug: Unter dem Druck des Leidens senken die Menschen ihren Anspruch auf Glück und halten sich schon für glücklich, dem Unglück entgangen zu sein; die Aufgabe, Schmerz zu vermeiden, tritt dann vor die, Lust zu gewinnen. Das Wort „Glück“ im strengen Sinn behält er jedoch den starken Genüssen vor, die episodisch bleiben.
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Unsere Zusammenfassung: Der Dissens ist zum Teil ein Streit um Worte. Für Epikur ist die Freiheit von Beunruhigung die höchste Lust, kein Notbehelf; für Freud ist sie ein herabgesetzter Anspruch. Freud setzt sich nicht mit Epikur auseinander.
E
Epiktet (die Beunruhigung kommt von Meinungen) 125 · greift Prämisse 4 an

Nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen über die Dinge. Der Körper, die Welt und die anderen lassen uns nur durch das leiden, was wir von ihnen denken: Indem wir unser Urteil ändern, können wir von diesem Unglück frei werden.

Freud erwidert
Freud (zu Methoden dieser Art) Freuds Antwort
Freud zitiert Epiktet nicht, untersucht aber diesen Weg, die Beherrschung der Triebe, den die östliche Weisheit so weit treibt, dass sie sie abtötet. Gelingt dies, hat man jede andere Tätigkeit aufgegeben und nur das Glück der Ruhe gewonnen. Bei einer gemäßigteren Kontrolle besteht der Preis in einer deutlichen Einbuße der Genussfähigkeit: Die Befriedigung eines gezähmten Triebes ist weit weniger intensiv.
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Unsere Zusammenfassung: Freuds Antwort trifft Epiktet nur teilweise. Epiktet spricht von zu korrigierenden Urteilen, nicht von abzutötenden Trieben; ein Stoiker würde antworten, dass richtiges Urteilen den wahren Freuden nichts nimmt. Es bleiben der Körper und die Welt, die Freud für Quellen des Leidens hält, die von unseren Meinungen unabhängig sind.
Aristoteles (Glück ist eine Tätigkeit) 330 v. Chr. · greift die Schlussfolgerung an

Glück ist nicht ein Augenblick starker Lust, sondern die der Tugend gemäße Tätigkeit der Seele, vollzogen in einem vollständigen Leben. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Man beurteilt das Glück nicht nach einer Episode. So verstanden, liegt es in der Reichweite des Menschen.

Freud erwidert
Freud (zur Sublimierung) Freuds Antwort
Freud zitiert Aristoteles nicht; die nächstliegende Stelle betrifft die Freuden des Geistes, die Freude des Künstlers oder des Forschers. Er hält sie für „feiner und höher“, aber weniger intensiv und nur wenigen zugänglich, die seltene Gaben besitzen. Selbst für diese bilden sie keinen Panzer gegen die Pfeile des Schicksals, und sie versagen, wenn der Körper selbst zur Quelle des Leidens wird.
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Unsere Zusammenfassung: Für Aristoteles ist Glück keine Intensität der Lust, sondern eine Lebensweise, und die sittliche Tugend ist nicht den Begabten vorbehalten. Freud hingegen misst das Glück an der Intensität des Genusses: Beide sprechen nicht ganz von derselben Sache.