Ein bisschen Torheit, um glücklich zu sein
Also gibt es kein glückliches Leben ohne ein wenig Torheit: „Es ist ein Unglück, getäuscht zu werden? Ein weit größeres Unglück ist es, es nicht zu werden!“
Ohne ein wenig Illusion hält weder Freundschaft noch Ehe: Die nackte Wahrheit verdirbt oft die Freude am Leben.
„Ein bisschen Torheit, um glücklich zu sein“ ist ein Argument von Erasmus (Lob der Torheit (um 1511): Die Torheit spricht) zur Frage „Was ist Glück?“ (Antwort: die lust). Seine These: Also gibt es kein glückliches Leben ohne ein wenig Torheit: „Es ist ein Unglück, getäuscht zu werden? Ein weit größeres Unglück ist es, es nicht zu werden!“. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P3). AskPhilosophy präsentiert 2 Einwände, davon 2 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Achtung: In diesem Buch spricht nicht Erasmus, sondern die Torheit in eigener Person, die vor dem Publikum ihr eigenes Lob singt. Sie behauptet, dass das Leben ohne sie traurig und unlebbar wäre: keine Freundschaft, keine Ehe, keine Lust, kein Glück. Erasmus scherzt und spottet, regt aber auch zum Nachdenken an. Er warnt selbst, dass er die Natur seiner Figur wahren musste: Man kann also nicht einfach sagen: „Erasmus meint, dass ...“. Wir ordnen dies auf der Seite der Lust ein, denn für die Torheit ist das Glück ein angenehmes Leben aus süßen Illusionen; doch keine der angebotenen Positionen passt genau zu ihr, und dies ist die Position der Torheit, nicht notwendigerweise die des Erasmus. Am Ende des Buches setzt die Torheit das höchste Glück übrigens in eine christliche „Torheit“, die Vereinigung mit Gott: Dort hören die meisten Leser die eigene Stimme des Erasmus.
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Ohne die implizite Prämisse: Ohne P3 findet der Computer einen Fall, in dem man ohne Illusion lebt, also ohne Bindungen und Lust, und dennoch glücklich ist: Nichts in P1 und P2 schließt das aus.
Einwände
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Robert Nozick (die Erlebnismaschine) 1974 · greift Prämisse 2 anStell dir eine Maschine vor, die dich ein ganzes Leben lang die angenehmstmöglichen Erlebnisse erleben ließe und dich glauben machte, sie seien wirklich. Hinge das Glück nur von der Meinung ab, müssten wir uns ohne Zögern anschließen. Doch die meisten von uns lehnen ab: Wir wollen die Dinge wirklich tun und mit der Wirklichkeit in Kontakt sein, nicht bloß den Eindruck davon haben. Das Glück hängt also nicht nur davon ab, was wir glauben.
Erasmus erwidert
Stell dir eine Maschine vor, die dich ein ganzes Leben lang die angenehmstmöglichen Erlebnisse erleben ließe und dich glauben machte, sie seien wirklich. Hinge das Glück nur von der Meinung ab, müssten wir uns ohne Zögern anschließen. Doch die meisten von uns lehnen ab: Wir wollen die Dinge wirklich tun und mit der Wirklichkeit in Kontakt sein, nicht bloß den Eindruck davon haben. Das Glück hängt also nicht nur davon ab, was wir glauben.
MMaarten van Dorp, Theologe in Löwen 1514 · greift die Schlussfolgerung anDas Lob der Torheit zu singen ziemt sich nicht für einen Theologen: Das Buch macht Theologen, Mönche und sogar die christliche Frömmigkeit lächerlich und verletzt viele Leser. Dorp fordert Erasmus auf, zur Wiedergutmachung ein „Lob der Weisheit“ zu schreiben.
Erasmus erwidert
Das Lob der Torheit zu singen ziemt sich nicht für einen Theologen: Das Buch macht Theologen, Mönche und sogar die christliche Frömmigkeit lächerlich und verletzt viele Leser. Dorp fordert Erasmus auf, zur Wiedergutmachung ein „Lob der Weisheit“ zu schreiben.