Die Vernunft, die „Hure des Teufels“, vor dem Wort
Die Vernunft, die Hure des Teufels
In den Dingen Gottes muss man die Vernunft im Zaum halten, ihren „schönen Gedanken“ nicht folgen und gegen ihre Einwände glauben.
In Fragen Gottes hält die Vernunft ihre eigenen Vorstellungen für den Heiligen Geist, und niemand kann sie korrigieren: Man muss sich an das Wort halten.
„Die Vernunft, die „Hure des Teufels“, vor dem Wort“ ist ein Argument von Martin Luther (Letzte Wittenberger Predigt, 17. Januar 1546 (WA 51, 126 und 129)) zur Frage „Soll man ohne Beweis glauben?“ (Antwort: der glaube geht darüber hinaus). Seine These: In den Dingen Gottes muss man die Vernunft im Zaum halten, ihren „schönen Gedanken“ nicht folgen und gegen ihre Einwände glauben. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) folgt die Schlussfolgerung tatsächlich aus ihren 3 Prämissen. AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 1 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Einen Monat vor seinem Tod predigt Luther in Wittenberg. Er unterscheidet grobe Sünden, die jeder sieht (Wucher, Trunksucht, Ehebruch), von einer Sünde, die schwerer zu erkennen ist: der Vernunft, wenn sie sich anmaßt, über die Dinge Gottes zu urteilen. Er nennt sie „des Teufels Hure“, die höchste, die der Teufel hat. Sie glaubt sich vom Heiligen Geist geleitet, und weder Jurist noch Arzt noch König kann sie zurechtweisen. Man muss sie im Zaum halten und beim Wort bleiben, auch wenn sie einwendet, das Taufwasser sei nur Wasser. Beachte: Luther verachtet die Vernunft nicht allgemein. 1536 nennt er sie in den Angelegenheiten dieses Lebens das Beste unter allen Dingen und „etwas Göttliches“.
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Einwände
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Luther selbst (Disputatio de homine) 1536 · greift Prämisse 1 anAn anderer Stelle bestimmt Luther die Reichweite seiner These. In den Angelegenheiten dieses Lebens (Künste, Medizin, Recht, Regierung) ist die Vernunft das Beste unter allen Dingen und „etwas Göttliches“; Gott hat sie dem Menschen nach dem Fall Adams nicht genommen. Doch im Vergleich zur Theologie weiß sie fast nichts vom Menschen. Die Hure des Teufels ist also nicht die Vernunft in allem, sondern die Vernunft, die über Gott urteilen will.
ohne Erwiderung
An anderer Stelle bestimmt Luther die Reichweite seiner These. In den Angelegenheiten dieses Lebens (Künste, Medizin, Recht, Regierung) ist die Vernunft das Beste unter allen Dingen und „etwas Göttliches“; Gott hat sie dem Menschen nach dem Fall Adams nicht genommen. Doch im Vergleich zur Theologie weiß sie fast nichts vom Menschen. Die Hure des Teufels ist also nicht die Vernunft in allem, sondern die Vernunft, die über Gott urteilen will.
Thomas von Aquin (Summa theologiae) 1265 · greift die Schlussfolgerung anFür Thomas von Aquin zerstört die Gnade die Natur nicht, sondern vollendet sie: Die natürliche Vernunft soll dem Glauben dienen, wie die natürliche Neigung des Willens der Liebe dient. Der Glaube geht über die Vernunft hinaus, ohne ihr zu widersprechen, und die Vernunft kann den Glauben gegen Einwände verteidigen.
ohne Erwiderung
Für Thomas von Aquin zerstört die Gnade die Natur nicht, sondern vollendet sie: Die natürliche Vernunft soll dem Glauben dienen, wie die natürliche Neigung des Willens der Liebe dient. Der Glaube geht über die Vernunft hinaus, ohne ihr zu widersprechen, und die Vernunft kann den Glauben gegen Einwände verteidigen.
William Kingdon Clifford (Die Ethik des Glaubens) 1877 · greift die Schlussfolgerung anEs ist immer, überall und für jeden falsch, irgendetwas auf unzureichende Belege hin zu glauben. Auf Luther angewandt (unsere Lesart): Gegen die Einwände der Vernunft zu glauben, wäre ein moralisches Vergehen, keine Tugend.
ein Verteidiger erwidert
Es ist immer, überall und für jeden falsch, irgendetwas auf unzureichende Belege hin zu glauben. Auf Luther angewandt (unsere Lesart): Gegen die Einwände der Vernunft zu glauben, wäre ein moralisches Vergehen, keine Tugend.