FragenWas ist eine gerechte Gesellschaft?Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall
Was ist eine gerechte Gesellschaft?Eine einzige Menschheit

Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall

Das Netz der Wechselseitigkeit; „Injustice anywhere...“

Martin Luther King Jr. 1929 · 1968Pastor und Leitfigur der Bürgerrechtsbewegung: Er verteidigt den gewaltfreien Ungehorsam gegenüber ungerechten Gesetzen, offen und unter Inkaufnahme der Strafe.
Profil ansehen
Was es behauptet

Daher gilt: „Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall“: Gerechtigkeit ist allen geschuldet, und niemand ist ein Außenstehender, wo sie verletzt wird.

Warum

Wir sind in ein Netz von Bindungen verstrickt, das niemand verlassen kann: Was den einen betrifft, betrifft alle, also ist niemand ein Außenstehender, wo Ungerechtigkeit herrscht.

Dieselbe Idee im Lauf der Geschichte
Martin Luther King Jr.1963Martin Luther King antwortet aus seiner Zelle acht Geistlichen aus Alabama (sieben christlichen Pastoren und einem Rabbiner), die ihn für einen „Außenstehenden“ hielten und seine Demonstrationen kritisierten. Er erklärt, warum er in Birmingham ist.
Kurz gesagt

„Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall“ ist ein Argument von Martin Luther King Jr. (Brief aus dem Gefängnis von Birmingham (16. April 1963), 1963) zur Frage „Was ist eine gerechte Gesellschaft?“ (Antwort: eine einzige menschheit). Seine These: Daher gilt: „Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall“: Gerechtigkeit ist allen geschuldet, und niemand ist ein Außenstehender, wo sie verletzt wird. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P3). AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 1 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.

Brief aus dem Gefängnis von Birmingham (16. April 1963)
Gültig mit impliziter Prämisse

Im April 1963 wird King in Birmingham, Alabama, nach einer Demonstration gegen die Segregation verhaftet. Acht weiße Geistliche der Region haben eine Erklärung veröffentlicht, die ihn als auswärtigen Agitator bezeichnet. Er antwortet, niemand könne einer Ungerechtigkeit fremd sein: Gemeinschaften und Staaten sind miteinander verbunden, und was den einen betrifft, betrifft alle. Die Pflicht zur Gerechtigkeit endet daher nicht an den Grenzen einer Stadt, eines Staates oder einer Rasse. Es ist ein Argument für eine Gerechtigkeit, die sich an alle richtet und sich nicht auf die Angehörigen der eigenen Gruppe beschränkt.

P1Alle Gemeinschaften und Staaten stehen miteinander in Beziehung: „Wir sind in ein unentrinnbares Netz der Wechselseitigkeit verstrickt, gebunden in ein einziges Gewand des Schicksals.“
P2In einem solchen Netz betrifft alles, was den einen unmittelbar betrifft, alle anderen mittelbar.
P3 · implizite PrämisseWenn eine Ungerechtigkeit mittelbar jedes Mitglied des Netzes betrifft, hat jeder einen Grund und eine Pflicht, sich ihr entgegenzustellen, wo auch immer sie geschieht.
Daher gilt: „Ungerechtigkeit irgendwo ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall“: Gerechtigkeit ist allen geschuldet, und niemand ist ein Außenstehender, wo sie verletzt wird.

klicke auf eine Prämisse, um sie zurückzuweisen

Wenn du alle Prämissen akzeptierst, zwingt dich die Logik dazu, auch die Konklusion zu akzeptieren. Die Debatte dreht sich also um die Prämissen.
Von einem Logik-Solver geprüft: Es ist unmöglich, dass alle Prämissen wahr und die Konklusion falsch sind.
Gültig mit P3. P1 und P2 beschreiben eine Welt, in der alles miteinander verbunden ist. P3, die verborgen bleibt, verknüpft diese Tatsache mit einer Pflicht. Angriffspunkte: P1 (Besteht die Verbindung in jedem Fall wirklich, oder nur für eng verflochtene Gesellschaften wie die Vereinigten Staaten von 1963?) und P3 (Ist diese Pflicht begrenzt, oder verlangt sie, sich um jede Ungerechtigkeit auf der Welt zu kümmern?). King wendet sich zunächst an seine Mitbürger: „Wer innerhalb der Vereinigten Staaten lebt, kann nirgendwo innerhalb ihrer Grenzen jemals als Außenstehender gelten.“
Analogie. Ein Faden in einem Strickstück: Wenn irgendwo eine Masche fällt, löst sich allmählich das ganze Strickstück auf. Niemand kann sagen, die Masche am Rand gehe ihn nichts an.

Einwände

3

Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.

D
Die acht Geistlichen aus Alabama 1963 · greift die Schlussfolgerung an

In ihrer Erklärung „A Call for Unity“ (12. April 1963) räumen sie Ungerechtigkeiten ein, sagen aber, der Kampf solle vor Gericht und durch lokale Verhandlungen geführt werden, und sie bedauern, dass Demonstrationen von „Außenstehenden“ angeführt werden. Für sie schürt Kings Dringlichkeit die Spannung.

ein Verteidiger erwidert
Martin Luther King Verteidiger des Arguments · 1963
King antwortet, er sei nicht aus dem Nichts gekommen: Er sei eingeladen worden, er habe organisatorische Verbindungen vor Ort, und vor allem: „Ich bin in Birmingham, weil hier Ungerechtigkeit herrscht.“
Wo die Debatte steht (unsere Zusammenfassung)Die Geistlichen: Der Kampf ist lokal und gerichtlich. King: Ungerechtigkeit kennt keine Grenze. Grundlegender Dissens: Wer hat die Legitimation, bei einer Ungerechtigkeit einzugreifen, die nicht die eigene ist?
Alasdair MacIntyre 1984 · greift Prämisse 3 an

MacIntyre vertritt in „Is Patriotism a Virtue?“ die Auffassung, dass Moral immer in bestimmten Gemeinschaften gelebt wird und dass unsere ersten Pflichten ihnen gelten. Eine Pflicht zur Gerechtigkeit ohne Zugehörigkeit, die allen gleichermaßen geschuldet ist, droht eine bloße Abstraktion zu sein.

ohne Erwiderung
Keine Antwort möglich: Der Einwand wurde 1984 erhoben, nach dem Tod des Autors (1968).
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Rekonstruierte Antwort: King gibt die Zugehörigkeit nicht auf, er erweitert sie. Für ihn gehören schwarze und weiße Amerikaner derselben nationalen Gemeinschaft an, deren Verfassung Gleichheit verspricht (unsere Lesart). Die Debatte bleibt offen hinsichtlich der Reichweite der Gemeinschaft: eine Nation oder die ganze Menschheit?
Wo die Debatte steht (unsere Zusammenfassung)MacIntyre: Unsere Pflichten ergeben sich zunächst aus besonderen Gemeinschaften. King: Das Netz hat keinen Rand. Grundlegender Dissens: Wo endet die Gemeinschaft, für die man verantwortlich ist?
Susan Wolf 1982 · greift Prämisse 3 an

In „Moral Saints“ vertritt Wolf die Auffassung, dass ein Leben, das ganz dem moralisch Guten gewidmet ist, wie das eines Heiligen, keinen Raum für die persönlichen Projekte lässt, die ein Leben gut machen: Moralische Vollkommenheit ist kein Ideal, das man wollen sollte. Hier angewandt (unsere Rekonstruktion, Wolf zielt nicht auf King): Eine Pflicht, Ungerechtigkeit überall zu bekämpfen, wäre von dieser Art.

ohne Erwiderung
Keine Antwort möglich: Der Einwand wurde 1982 erhoben, nach dem Tod des Autors (1968).
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Rekonstruierte Antwort: King selbst begrenzt die Pflicht durch reale Bindungen: eingeladen zu sein, Verbindungen zu haben (siehe oben). Der Text verlangt nicht, sich um alles zu kümmern, sondern sich nicht als fremd gegenüber dem zu bezeichnen, was nah und bekannt ist (unsere Lesart).
Wo die Debatte steht (unsere Zusammenfassung)Wolf: Eine unbegrenzte Pflicht ist nicht lebbar. King: Die Pflicht folgt den realen Bindungen. Grundlegender Dissens: Was ist das vernünftige Maß der Pflicht zur Gerechtigkeit?