Eine Wahrnehmung mathematischer Gegenstände: Gödels Intuition
Mathematische Intuition; Gödels Platonismus
Also werden manche mathematischen Wahrheiten mit Gewissheit erkannt, durch die Vernunft, mittels einer Intuition, die einer Wahrnehmung mathematischer Gegenstände gleicht.
Die Axiome der Mengenlehre drängen sich uns als wahr auf, wie eine Wahrnehmung: Es gibt keinen Grund, ihr weniger zu vertrauen als den Sinnen.
„Eine Wahrnehmung mathematischer Gegenstände: Gödels Intuition“ ist ein Argument von Kurt Gödel („What is Cantor's Continuum Problem?“ (1947, überarbeitete Fassung 1964), 1964) zur Frage „Kann man sich einer Sache sicher sein?“ (Antwort: ja, durch die vernunft). Seine These: Also werden manche mathematischen Wahrheiten mit Gewissheit erkannt, durch die Vernunft, mittels einer Intuition, die einer Wahrnehmung mathematischer Gegenstände gleicht. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P4). AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 1 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Woher wissen wir, dass 2 + 2 = 4 ist oder dass eine unendliche Menge größer ist als eine andere? Zahlen sehen oder berühren wir nicht. Gödel, einer der größten Logiker des 20. Jahrhunderts, vertritt die Auffassung, dass wir dennoch eine Art Wahrnehmung mathematischer Gegenstände haben: Wenn wir über die Begriffe der Menge oder der Zahl nachdenken, drängen sich bestimmte Axiome als wahr auf, so wie sich ein Tisch dem Blick aufdrängt. Diese „mathematische Intuition“ ist nicht weniger vertrauenswürdig als die Sinneswahrnehmung, die uns dazu bringt, physikalische Theorien aufzubauen. Die Vernunft kann also objektive mathematische Wahrheiten erreichen. Gödel nennt sie nicht unfehlbar: Wie die Wahrnehmung korrigiert sie sich selbst, und ein neues Axiom kann auch durch seine fruchtbaren Folgen gerechtfertigt werden.
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Einwände
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PPaul Benacerraf 1973 · greift Prämisse 1 anIn „Mathematical Truth“ wirft Benacerraf das Zugangsproblem auf: Wenn mathematische Gegenstände außerhalb von Raum und Zeit existieren, haben sie keine kausale Wirkung auf uns. Wie könnten wir sie wahrnehmen? Eine Wahrnehmung erfordert eine kausale Beziehung zu ihrem Gegenstand; Gödels Intuition sagt nicht, welche.
ohne Erwiderung
In „Mathematical Truth“ wirft Benacerraf das Zugangsproblem auf: Wenn mathematische Gegenstände außerhalb von Raum und Zeit existieren, haben sie keine kausale Wirkung auf uns. Wie könnten wir sie wahrnehmen? Eine Wahrnehmung erfordert eine kausale Beziehung zu ihrem Gegenstand; Gödels Intuition sagt nicht, welche.
Bertrand Russell 1902 · greift Prämisse 4 anRussells Paradox zeigt, dass ein Axiom, das sich als evident aufdrängt (jedes Prädikat definiert eine Menge), widersprüchlich sein kann. Wenn sich Intuitionen über Mengen aufdrängen, aber zum Widerspruch führen, garantieren sie keine Wahrheit.
ein Verteidiger erwidert
Russells Paradox zeigt, dass ein Axiom, das sich als evident aufdrängt (jedes Prädikat definiert eine Menge), widersprüchlich sein kann. Wenn sich Intuitionen über Mengen aufdrängen, aber zum Widerspruch führen, garantieren sie keine Wahrheit.
PPenelope Maddy 1990 · greift Prämisse 3 anMaddy verteidigte in Realism in Mathematics (1990) eine naturalisierte Version der Intuition: Wir nähmen Mengen physischer Objekte wahr (drei Eier in einem Karton), und die Intuition von Mengen werde durch das Gehirn erklärt, nicht durch ein besonderes Vermögen. In Naturalism in Mathematics (1997) gibt sie diesen Realismus auf: Die Ziele und die Praxis der Mathematiker, nicht eine Intuition, rechtfertigen die Axiome.
ohne Erwiderung
Maddy verteidigte in Realism in Mathematics (1990) eine naturalisierte Version der Intuition: Wir nähmen Mengen physischer Objekte wahr (drei Eier in einem Karton), und die Intuition von Mengen werde durch das Gehirn erklärt, nicht durch ein besonderes Vermögen. In Naturalism in Mathematics (1997) gibt sie diesen Realismus auf: Die Ziele und die Praxis der Mathematiker, nicht eine Intuition, rechtfertigen die Axiome.