Das Gewissen, ein göttlicher Instinkt
Also gibt es im Grunde der Seelen ein angeborenes Prinzip der Gerechtigkeit, nach dem wir Gut und Böse beurteilen: das Gewissen.
Alle Völker haben dieselben Vorstellungen von Gut und Böse, die weder Erziehung noch Eigennutz erklären können.
„Das Gewissen, ein göttlicher Instinkt“ ist ein Argument von Jean-Jacques Rousseau (Emile IV, Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars) zur Frage „Was macht etwas moralisch richtig?“ (Antwort: natur oder gewissen). Seine These: Also gibt es im Grunde der Seelen ein angeborenes Prinzip der Gerechtigkeit, nach dem wir Gut und Böse beurteilen: das Gewissen. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P2). AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 2 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Achtung: Hier spricht eine Figur, der savoyische Vikar. Rousseau sagt, er habe dessen Rede als Beispiel, nicht als Regel „abgeschrieben“; später verteidigte er sie jedoch als seinem eigenen Denken nahe. Der Vikar behauptet, dass wir das Gute nicht lieben lernen: Dieses Gefühl, das Gewissen, ist angeboren.
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Ohne die implizite Prämisse: Ohne P2 findet der Computer einen Fall, in dem alle Völker dieselben moralischen Vorstellungen teilen und der Eigennutz sie nicht erklärt, sie aber dennoch erlernt sind: Dann gibt es kein angeborenes Prinzip.
Einwände
3Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.
Pascal (nach Montaigne) 1670 · greift Prämisse 1 anEs gibt keine allgemeine Übereinstimmung: Was diesseits einer Grenze gerecht ist, ist jenseits ungerecht. Gesetze und Sitten ändern sich mit den Ländern und den Zeiten.
Rousseau erwidert
Es gibt keine allgemeine Übereinstimmung: Was diesseits einer Grenze gerecht ist, ist jenseits ungerecht. Gesetze und Sitten ändern sich mit den Ländern und den Zeiten.
Locke 1689 · greift Prämisse 2 anSelbst wenn alle Menschen übereinstimmten, würde das nicht beweisen, dass das Prinzip angeboren ist: Erziehung, Umgang und Gewohnheit reichen aus, um es zu erklären. Das Gewissen ist nur die Meinung, die wir von unseren eigenen Handlungen haben, und aufrichtige Gewissen billigen entgegengesetzte Dinge.
Rousseau erwidert
Selbst wenn alle Menschen übereinstimmten, würde das nicht beweisen, dass das Prinzip angeboren ist: Erziehung, Umgang und Gewohnheit reichen aus, um es zu erklären. Das Gewissen ist nur die Meinung, die wir von unseren eigenen Handlungen haben, und aufrichtige Gewissen billigen entgegengesetzte Dinge.
Nietzsche 1887 · greift die Schlussfolgerung anDas „schlechte Gewissen“ hat nichts Göttliches an sich. Wenn das Leben in der Gesellschaft unsere aggressiven Instinkte daran hindert, sich nach außen zu entladen, wenden sie sich gegen uns selbst: So entsteht die Innenwelt. Das Gewissen hat eine Geschichte, und diese Geschichte besteht aus Zwang.
ohne Erwiderung
Das „schlechte Gewissen“ hat nichts Göttliches an sich. Wenn das Leben in der Gesellschaft unsere aggressiven Instinkte daran hindert, sich nach außen zu entladen, wenden sie sich gegen uns selbst: So entsteht die Innenwelt. Das Gewissen hat eine Geschichte, und diese Geschichte besteht aus Zwang.