Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön
Der Mensch spiegelt sich in den Dingen
Also ist nichts an sich schön: Nur der Mensch ist schön, und die gesamte Ästhetik beruht auf dieser Naivität, die ihre erste Wahrheit ist.
Der Mensch hält alles für schön, was ihm sein eigenes Bild zurückwirft: Das Urteil „schön“ handelt von uns, nicht von den Dingen.
„Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön“ ist ein Argument von Friedrich Nietzsche (Götzen-Dämmerung, 1888, „Streifzüge eines Unzeitgemässen“, § 19-20, 1888) zur Frage „Liegt Schönheit im Auge des Betrachters?“ (Antwort: alles ist relativ). Seine These: Also ist nichts an sich schön: Nur der Mensch ist schön, und die gesamte Ästhetik beruht auf dieser Naivität, die ihre erste Wahrheit ist. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P4). AskPhilosophy präsentiert 3 Einwände, davon 3 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Wenn wir von einer Landschaft, einem Gesicht oder einem Gemälde sagen „das ist schön“, glauben wir, über die Welt zu sprechen. Nietzsche meint, wir sprechen über uns selbst. Der Mensch stellt sich in den Mittelpunkt: Er hält alles für schön, was ihm sein eigenes Bild zurückwirft, und alles für hässlich, was ihn an Krankheit, Müdigkeit und Tod erinnert. Die Schönheit kommt also nicht von den Dingen: Der Mensch hat sie hineingelegt und dann vergessen, dass er es war. Daher die Formel: „Nichts ist schön, nur der Mensch ist schön“.
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Ohne die implizite Prämisse: Ohne P4 findet der Computer einen Fall, in dem das Urteil „schön“ den Menschen und seine Instinkte widerspiegelt und die Schönheit dennoch in den Dingen läge: zum Beispiel, wenn unsere Instinkte darauf ausgebildet wären, eine reale Eigenschaft zu erkennen (wie das Auge darauf ausgebildet ist, Licht zu erkennen). Nietzsche schließt diesen Fall aus, indem er sagt, das „Schöne an sich“ sei nicht einmal ein Begriff.
Einwände
3Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.
Immanuel Kant 1790 · greift Prämisse 2 anGeschmack ist das Vermögen, einen Gegenstand durch ein Wohlgefallen ohne alles Interesse zu beurteilen. Hält man für schön, was dem Bild schmeichelt, das man von sich hat, oder was gut für uns ist, so hat man ein Interesse: Man befindet sich im Angenehmen, nicht im Schönen. Das reine Geschmacksurteil verlangt daher, beiseitezulegen, was wir wollen.
Nietzsche erwidert
Geschmack ist das Vermögen, einen Gegenstand durch ein Wohlgefallen ohne alles Interesse zu beurteilen. Hält man für schön, was dem Bild schmeichelt, das man von sich hat, oder was gut für uns ist, so hat man ein Interesse: Man befindet sich im Angenehmen, nicht im Schönen. Das reine Geschmacksurteil verlangt daher, beiseitezulegen, was wir wollen.
Platon 380 v. Chr. · greift Prämisse 1 anEs gibt ein Schönes selbst, ewig und immer gleich: Es ist weder in einer Hinsicht schön und in einer anderen hässlich, noch für die einen schön und für die anderen hässlich. Die schönen Dinge dieser Welt sind nur Abbilder davon. Der Mensch steigt von einem schönen Körper zum nächsten empor bis zum Anblick dieses Schönen.
Nietzsche erwidert
Es gibt ein Schönes selbst, ewig und immer gleich: Es ist weder in einer Hinsicht schön und in einer anderen hässlich, noch für die einen schön und für die anderen hässlich. Die schönen Dinge dieser Welt sind nur Abbilder davon. Der Mensch steigt von einem schönen Körper zum nächsten empor bis zum Anblick dieses Schönen.
RRonald Hepburn 1966 · greift die Schlussfolgerung anVor einer Landschaft, einem Gewitter oder einem Sternenhimmel, die niemand gemacht oder komponiert hat, empfinden wir Schönheit, ohne darin unser eigenes Bild wiederzufinden. Die auf die Kunst konzentrierte Ästhetik hat diese Naturschönheit vernachlässigt: Sie lässt sich nicht als ein dem Menschen vorgehaltener Spiegel erklären.
Nietzsche erwidert
Vor einer Landschaft, einem Gewitter oder einem Sternenhimmel, die niemand gemacht oder komponiert hat, empfinden wir Schönheit, ohne darin unser eigenes Bild wiederzufinden. Die auf die Kunst konzentrierte Ästhetik hat diese Naturschönheit vernachlässigt: Sie lässt sich nicht als ein dem Menschen vorgehaltener Spiegel erklären.