FragenSollen wir den Tod fürchten?Der Tod: ein Schlaf oder eine Reise
Sollen wir den Tod fürchten?Nichts zu fürchten

Der Tod: ein Schlaf oder eine Reise

Das Dilemma des Sokrates über den Tod

Sokrates ca. 470 v. Chr. · ca. 399 v. Chr.Ich weiß, dass ich nichts weiß.
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Was es behauptet

Also ist der Tod in beiden Fällen kein Übel für den guten Menschen, und man darf ihm mit guter Hoffnung entgegensehen.

Warum

Der Tod ist entweder ein traumloser Schlaf oder eine Reise zu den Toten: In beiden Fällen ist er ein Gut, kein Übel.

Dieselbe Idee im Lauf der Geschichte
Sokrates399 v. Chr.Zum Tode verurteilt, wendet sich Sokrates an die Richter, die für seinen Freispruch gestimmt haben. Wir kennen ihn durch Platon, der es niedergeschrieben hat: Es ist kein wortgetreues Protokoll des Prozesses. Das Argument wird so dargestellt, wie Platon es ihn sagen lässt.
Kurz gesagt

„Der Tod: ein Schlaf oder eine Reise“ ist ein Argument von Sokrates (Platon, Apologie des Sokrates, 40c-41c (Sokrates nach Platon), 399 v. Chr.) zur Frage „Sollen wir den Tod fürchten?“ (Antwort: nichts zu fürchten). Seine These: Also ist der Tod in beiden Fällen kein Übel für den guten Menschen, und man darf ihm mit guter Hoffnung entgegensehen. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P4). AskPhilosophy präsentiert 2 Einwände, davon 0 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.

Platon, Apologie des Sokrates, 40c-41c (Sokrates nach Platon)
Gültig mit impliziter Prämisse

Vor Gericht sagt Sokrates seinen Richtern, dass er dem Tod mit guter Hoffnung entgegensieht, und er begründet dies mit einem Dilemma. Er behauptet nicht zu wissen, was der Tod ist: Er prüft die beiden Möglichkeiten, die er sieht. In beiden Fällen, sagt er, ist der Tod ein Gut, oder zumindest kein Übel. Dies sind die Worte, die Platon dem Sokrates in den Mund legt.

P1Es gilt eines von beiden: Entweder ist der Tod ein Nichts ohne jede Empfindung, oder er ist ein Übergang der Seele an einen anderen Ort, wo sich die Toten befinden.
P2Wenn der Tod ein Nichts ist, gleicht er einem traumlosen Schlaf. Nun würde aber kaum jemand in seinem Leben viele Nächte und Tage finden, die besser wären als eine solche Nacht: Der Tod ist also ein Gewinn.
P3Wenn der Tod eine Reise zu dem Ort ist, an dem alle Toten sind, welches größere Gut könnte man sich vorstellen? Dort findet man die wahren Richter und die Dichter, und man kann dort weiter die Menschen befragen.
P4 · implizite PrämisseWas ein Gewinn oder ein Gut ist, ist kein Übel.
Also ist der Tod in beiden Fällen kein Übel für den guten Menschen, und man darf ihm mit guter Hoffnung entgegensehen.

klicke auf eine Prämisse, um sie zurückzuweisen

Wenn du alle Prämissen akzeptierst, zwingt dich die Logik dazu, auch die Konklusion zu akzeptieren. Die Debatte dreht sich also um die Prämissen.
Von einem Logik-Solver geprüft: Es ist unmöglich, dass alle Prämissen wahr und die Konklusion falsch sind.
Ohne die implizite Prämisse: Ohne P4 findet der Computer eine Situation, in der der Tod ein Gewinn (ein Schlaf) und dennoch ein Übel ist, zum Beispiel weil er uns dessen beraubt, was wir liebten.
Die Argumentation ist ein Dilemma: zwei Fälle, in jedem dasselbe Ergebnis. Sie ist gültig, wenn P4 zugestanden wird. Stichhaltig ist sie aber nur, wenn P1 vollständig ist: Die beiden Fälle müssen alle Möglichkeiten abdecken. Genau hier setzt die Diskussion an.
Analogie. Vor einer verschlossenen Tür weißt du nicht, was dahinter ist. Du sagst dir: Entweder ist der Raum leer und ruhig, oder es gibt ein Fest mit Menschen, die ich bewundere. In beiden Fällen gibt es nichts zu fürchten. Das funktioniert, solange es keine dritte Möglichkeit gibt, zum Beispiel einen Raum, in dem man leidet.

Einwände

2

Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.

K
Klassischer Einwand: Ist das Dilemma vollständig? greift Prämisse 1 an

Es gibt eine dritte Möglichkeit: ein unglückliches Weiterleben, zum Beispiel eine Bestrafung der Verfehlungen im Jenseits. Wenn diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, ist das Dilemma falsch, und der Tod kann ein Übel sein. Sokrates antwortet teilweise im Voraus: Er spricht vom guten Menschen, für den kein Übel möglich ist, weder im Leben noch nach dem Tod.

ohne Erwiderung
Wir haben in den Texten von Sokrates noch keine direkte Antwort gefunden.
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Sokrates zieht eine dritte Möglichkeit nicht ausdrücklich in Betracht: Er verlässt sich auf die Güte des guten Menschen und auf die Götter, die ihn nicht verlassen. Das schützt nur den, der gerecht gewesen ist. Für die anderen bleibt die Tür offen. Dieser Einwand ist unsere eigene Analyse, nicht das Zitat eines bestimmten Autors.
Wo die Debatte steht (unsere Zusammenfassung)Offener Punkt: Die Stärke des Dilemmas hängt davon ab, was man über das Jenseits glaubt. Wenn man zugibt, dass es unglücklich sein kann, gilt die Schlussfolgerung nur noch für diejenigen, die dort nichts zu fürchten haben.
E
Epikur greift Prämisse 2 an

Epikur würde beim ersten Fall weiter gehen als Sokrates. Für ihn ist der Tod nicht einmal ein Gewinn: Er ist nichts für uns, denn solange wir da sind, ist er nicht da, und wenn er da ist, sind wir nicht mehr. Unsere Lesart: Der „Gewinn“ des Schlafs setzt noch einen Vergleich von Zuständen voraus, während niemand mehr da ist, der sie vergleichen könnte. Epikurs Argument hat eine eigene Seite.

ohne Erwiderung
Zusammenfassung: Der Text liegt noch nicht in unserem Korpus vor Argument ansehen
Wir haben in den Texten von Sokrates noch keine direkte Antwort gefunden.
Die Debatte geht weiter (unsere Zusammenfassung) Sokrates antwortet nicht auf Epikur, der etwa ein Jahrhundert später kommt. Beide stimmen darin überein, dass der Tod als Nichts nicht zu fürchten ist, und unterscheiden sich nur im Wort „Gewinn“. Diese Erwähnung ist unsere Zusammenfassung, ohne Zitat.