Der Ochsenberg: eine beschädigte, nicht fehlende Güte
Der Ochsenberg; die Morgenluft; Niu Shan
Also ist beim harten Menschen wie beim kahlen Berg die scheinbare Abwesenheit der Güte ein erlittener Schaden und kein Beweis gegen die Natur: Die menschliche Natur ist gut, und sie muss genährt werden, damit sie wächst.
Ein kahler Berg kann einst Bäume getragen haben; ebenso wird die Güte eines harten Menschen Tag für Tag abgeschlagen, sie fehlt nicht.
„Der Ochsenberg: eine beschädigte, nicht fehlende Güte“ ist ein Argument von Mencius (Menzius 6A.8 (4. Jahrhundert v. Chr.), 320 v. Chr.) zur Frage „Ist der Mensch von Natur aus gut?“ (Antwort: von natur aus gut). Seine These: Also ist beim harten Menschen wie beim kahlen Berg die scheinbare Abwesenheit der Güte ein erlittener Schaden und kein Beweis gegen die Natur: Die menschliche Natur ist gut, und sie muss genährt werden, damit sie wächst. Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P5). AskPhilosophy präsentiert 4 Einwände, davon 3 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Wenn wir einem harten, grausamen, skrupellosen Menschen begegnen, denken wir, er habe nie ein Herz gehabt. Menzius antwortet mit einem Bild. Der Ochsenberg nahe einer großen Stadt war einst mit schönen Bäumen bedeckt. Man fällte sie mit Äxten. Jedes Jahr ließ der Saft neue Triebe sprießen, doch Rinder und Ziegen kamen und fraßen sie ab. Heute ist der Berg kahl, und wer ihn sieht, glaubt, er habe nie Bäume getragen. Nach Menzius begehen wir bei den Menschen denselben Fehler: Ihre Güte fehlt nicht, sie wird Tag für Tag abgeschlagen. Der Text stellt das Argument nicht in Prämissen dar: Die Form P1 bis P5 ist unsere Rekonstruktion der Passage 6A.8.
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Ohne die implizite Prämisse: Ohne P5 findet der Computer einen Fall, in dem gute Gefühle von selbst nachwachsen und ihre scheinbare Abwesenheit von Schäden herrührt, in dem aber die menschliche Natur ebenso viele schlechte wie gute Neigungen trägt: Die Schlussfolgerung „die Natur ist gut“ folgt dann nicht mehr.
Einwände
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Xunzi 250 v. Chr. · greift Prämisse 5 anXunzi zitiert Menzius: Die menschliche Natur ist gut, und wenn die Menschen Böses tun, dann deshalb, weil sie sie alle verloren haben. Xunzi erwidert, das sei ein Irrtum: Kaum geboren, hat sich der Mensch schon von seiner ursprünglichen Schlichtheit entfernt und verliert sie notwendigerweise. Eine Güte, die jeder notwendigerweise verliert, verdient nicht den Namen Natur. Für ihn ist die Natur das, was vom Himmel kommt, ohne dass man es lernt, und er rechnet die Gewinnsucht und die Begierden der Sinne dazu.
ein Verteidiger erwidert
Xunzi zitiert Menzius: Die menschliche Natur ist gut, und wenn die Menschen Böses tun, dann deshalb, weil sie sie alle verloren haben. Xunzi erwidert, das sei ein Irrtum: Kaum geboren, hat sich der Mensch schon von seiner ursprünglichen Schlichtheit entfernt und verliert sie notwendigerweise. Eine Güte, die jeder notwendigerweise verliert, verdient nicht den Namen Natur. Für ihn ist die Natur das, was vom Himmel kommt, ohne dass man es lernt, und er rechnet die Gewinnsucht und die Begierden der Sinne dazu.
Kant 1793 · greift Prämisse 3 anZusammenfassung: Kant schreibt, die Meinung, der Mensch sei von Natur gut, stamme wohl nicht aus der Erfahrung, wenn es um das moralisch Gute und Böse gehe: Die Geschichte aller Zeiten spreche viel zu laut dagegen. Er sieht darin eher eine wohlwollende Annahme der Moralisten, von Seneca bis Rousseau, um uns dazu anzuhalten, den Keim des Guten zu pflegen, der vielleicht in uns liegt.
ohne Erwiderung
Zusammenfassung: Kant schreibt, die Meinung, der Mensch sei von Natur gut, stamme wohl nicht aus der Erfahrung, wenn es um das moralisch Gute und Böse gehe: Die Geschichte aller Zeiten spreche viel zu laut dagegen. Er sieht darin eher eine wohlwollende Annahme der Moralisten, von Seneca bis Rousseau, um uns dazu anzuhalten, den Keim des Guten zu pflegen, der vielleicht in uns liegt.
AAugustinus 400 · greift Prämisse 1 anZusammenfassung: Augustinus (der Menzius nicht kennt) erzählt, er habe einen eifersüchtigen Säugling gesehen, der noch nicht sprechen konnte und seinen Milchbruder bleich und bitter ansah. Für ihn liegt die Unschuld des Säuglings in der Schwäche seiner Glieder, nicht in seinem Willen. Auf Menzius angewandt: Wäre die Güte in der Natur, so wäre sie von Anfang an sichtbar, bevor etwas sie beschädigt hätte.
ein Verteidiger erwidert
Zusammenfassung: Augustinus (der Menzius nicht kennt) erzählt, er habe einen eifersüchtigen Säugling gesehen, der noch nicht sprechen konnte und seinen Milchbruder bleich und bitter ansah. Für ihn liegt die Unschuld des Säuglings in der Schwäche seiner Glieder, nicht in seinem Willen. Auf Menzius angewandt: Wäre die Güte in der Natur, so wäre sie von Anfang an sichtbar, bevor etwas sie beschädigt hätte.
Gaozi 320 v. Chr. · greift die Schlussfolgerung anGaozi vertritt die Ansicht, die Natur sei das, was mit dem Leben kommt: der Appetit auf Nahrung, die Vorliebe für schöne Farben. Das Wohlwollen sei in uns, sagt er, die Gerechtigkeit aber komme von außen, so wie man einen alten Mann wegen seines Alters ehrt. In der Natur gäbe es also keine eigene Neigung zum Guten (Einwand, aufgebaut aus 6A.3-4).
Mencius erwidert
Gaozi vertritt die Ansicht, die Natur sei das, was mit dem Leben kommt: der Appetit auf Nahrung, die Vorliebe für schöne Farben. Das Wohlwollen sei in uns, sagt er, die Gerechtigkeit aber komme von außen, so wie man einen alten Mann wegen seines Alters ehrt. In der Natur gäbe es also keine eigene Neigung zum Guten (Einwand, aufgebaut aus 6A.3-4).