Alles, was beginnt, hat eine Ursache: auch das Universum
Das kosmologische Kalām-Argument
Also hat das Universum eine Ursache (erster Schritt); und diese Ursache, anfangslos und außerhalb der Zeit, ist ein personaler Handelnder, der frei zu schaffen gewählt hat: ein personaler Schöpfer (zweiter Schritt).
Alles, was beginnt, hat eine Ursache; das Universum hat begonnen; seine anfangslose Ursache kann nur ein Handelnder sein, der frei wählt.
„Alles, was beginnt, hat eine Ursache: auch das Universum“ ist ein Argument von William Lane Craig (The Kalām Cosmological Argument, 1979; „The Existence of God and the Beginning of the Universe“, 1991, 1979) zur Frage „Existiert Gott?“ (Antwort: theismus). Seine These: Also hat das Universum eine Ursache (erster Schritt); und diese Ursache, anfangslos und außerhalb der Zeit, ist ein personaler Handelnder, der frei zu schaffen gewählt hat: ein personaler Schöpfer (zweiter Schritt). Laut der Logikprüfung von AskPhilosophy (Z3-Solver) ist das Argument nur gültig, wenn man eine Prämisse zugesteht, die der Autor nicht ausdrücklich formuliert (P5). AskPhilosophy präsentiert 5 Einwände, davon 5 mit einer dokumentierten Erwiderung, sowie den Originaltext hinter jeder Prämisse, Wort für Wort geprüft.
Dinge entstehen nicht aus dem Nichts: Ein Haus, ein Baum, ein Kind haben eine Ursache. Nun hat, so Craig, das Universum selbst zu existieren begonnen. Also muss es eine Ursache haben. Das Argument verläuft in zwei Schritten. Erster Schritt: Das Universum hat eine Ursache (P1, P2). Für P2 nennt Craig zwei Gründe: Eine unendliche Vergangenheit ist unmöglich (es kann nicht wirklich unendlich viele Dinge geben), und die moderne Kosmologie weist seiner Ansicht nach auf einen Anfang hin. Zweiter Schritt, stärker umstritten: Diese Ursache hat nicht begonnen, sie liegt außerhalb der Zeit, und es muss eine Person sein, die wählt, sonst würde das Universum seit jeher existieren. Dieser Gedanke stammt von den muslimischen Theologen des Mittelalters, vor allem von al-Ghazali. Unterschied zu Leibniz: Hier wird nicht für alles ein Grund verlangt, sondern nur eine Ursache für das, was beginnt.
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Ohne die implizite Prämisse: Ohne P5 findet der Computer eine Welt, in der das Universum begonnen hat und seine Ursache nicht, in der diese Ursache aber weder eine mechanische hinreichende Bedingung noch eine Person ist: zum Beispiel eine nichtpersonale Ursache, die nur eine notwendige Bedingung ist oder die zufällig wirkt. Die Schlussfolgerung „personaler Schöpfer“ folgt dann nicht mehr.
Einwände
5Jeder Einwand ist ein Gespräch: Klicke, um zu sehen, wer erwidert und wo die Debatte steht.
J. L. Mackie 1982 · greift Prämisse 2 anDie Absurditäten von Hilberts Hotel verschwinden, sobald man Cantors Mengenlehre versteht: Für eine unendliche Menge gilt der Satz „das Ganze ist größer als der Teil“ schlicht nicht mehr, und darin liegt kein Widerspruch. Und eine unendliche Vergangenheit verlangt nicht, von einem Ausgangspunkt aus das Unendliche zu „durchqueren“: Von jedem vergangenen Tag aus ist es bis heute nur eine endliche Strecke. Thomas von Aquin antwortete Bonaventura bereits auf diese Weise.
Craig erwidert
Die Absurditäten von Hilberts Hotel verschwinden, sobald man Cantors Mengenlehre versteht: Für eine unendliche Menge gilt der Satz „das Ganze ist größer als der Teil“ schlicht nicht mehr, und darin liegt kein Widerspruch. Und eine unendliche Vergangenheit verlangt nicht, von einem Ausgangspunkt aus das Unendliche zu „durchqueren“: Von jedem vergangenen Tag aus ist es bis heute nur eine endliche Strecke. Thomas von Aquin antwortete Bonaventura bereits auf diese Weise.
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SSean Carroll 2014 · greift Prämisse 2 anDer Physiker Sean Carroll in seiner Debatte mit Craig (New Orleans, 2014): Dass das Universum einen Anfang hatte, mag wahr sein, aber wir wissen es nicht. Der Urknall markiert die Stelle, an der unsere Theorien versagen, nicht unbedingt einen absoluten Anfang. Kosmologen entwerfen Modelle ohne Anfang (zum Beispiel ein Universum, das „zurückprallt“, Aguirre und Gratton, 2003).
Craig erwidert
Der Physiker Sean Carroll in seiner Debatte mit Craig (New Orleans, 2014): Dass das Universum einen Anfang hatte, mag wahr sein, aber wir wissen es nicht. Der Urknall markiert die Stelle, an der unsere Theorien versagen, nicht unbedingt einen absoluten Anfang. Kosmologen entwerfen Modelle ohne Anfang (zum Beispiel ein Universum, das „zurückprallt“, Aguirre und Gratton, 2003).
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J. L. Mackie 1982 · greift Prämisse 1 anWie Hume gezeigt hat, können wir uns sehr wohl vorstellen, dass etwas ohne Ursache zu existieren beginnt. Wenn es dennoch unmöglich ist, muss das bewiesen werden, und der Verteidiger des Kalam beweist es nicht. Zudem nimmt der Gläubige einen Gott ohne Ursache an: Warum sollte man dem Universum dasselbe verweigern?
Craig erwidert
Wie Hume gezeigt hat, können wir uns sehr wohl vorstellen, dass etwas ohne Ursache zu existieren beginnt. Wenn es dennoch unmöglich ist, muss das bewiesen werden, und der Verteidiger des Kalam beweist es nicht. Zudem nimmt der Gläubige einen Gott ohne Ursache an: Warum sollte man dem Universum dasselbe verweigern?
SSean Carroll 2014 · greift Prämisse 1 an„Ursache“ ist ein Wort des Alltags, nützlich innerhalb des Universums, wo es Gesetze und einen Zeitpfeil gibt. Auf das Universum als Ganzes lässt es sich nicht anwenden. Ein vollständiges physikalisches Modell wie das von Hartle und Hawking (1983, das Universum „ohne Rand“) ist in sich geschlossen: Es braucht keine äußere Ursache, auch wenn das Universum einen ersten Augenblick hat.
Craig erwidert
„Ursache“ ist ein Wort des Alltags, nützlich innerhalb des Universums, wo es Gesetze und einen Zeitpfeil gibt. Auf das Universum als Ganzes lässt es sich nicht anwenden. Ein vollständiges physikalisches Modell wie das von Hartle und Hawking (1983, das Universum „ohne Rand“) ist in sich geschlossen: Es braucht keine äußere Ursache, auch wenn das Universum einen ersten Augenblick hat.
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WWes Morriston 2000 · greift Prämisse 4 anIst Gott außerhalb der Zeit, so ist sein Wille zu schaffen ewig, und dieser Wille genügt, um die Welt hervorzubringen. Nach P4 müsste die Welt dann schon immer existiert haben. Und wenn ein ewiger Wille eine Welt hervorbringen kann, die einen Anfang hat, warum dann nicht eine nichtpersonale Ursache? Außerhalb der Zeit verschwindet der Unterschied zwischen einer personalen und einer mechanischen Ursache. Zudem lässt Craig andernorts Ursachen gelten, die nur notwendige Bedingungen sind: P5 (mechanisch oder personal, nichts sonst) ist also zweifelhaft.
Craig erwidert
Ist Gott außerhalb der Zeit, so ist sein Wille zu schaffen ewig, und dieser Wille genügt, um die Welt hervorzubringen. Nach P4 müsste die Welt dann schon immer existiert haben. Und wenn ein ewiger Wille eine Welt hervorbringen kann, die einen Anfang hat, warum dann nicht eine nichtpersonale Ursache? Außerhalb der Zeit verschwindet der Unterschied zwischen einer personalen und einer mechanischen Ursache. Zudem lässt Craig andernorts Ursachen gelten, die nur notwendige Bedingungen sind: P5 (mechanisch oder personal, nichts sonst) ist also zweifelhaft.